Schnurstativ



Was ist ein Schnurstativ oder Inverse Pod?
Die Idee ist, ein leichtes Stativ zu bauen, was man immer dabei haben kann. Natürlich gibt es Ministative, aber wer möchte schon auf dem Boden rumkrabbeln um ein Foto mit einer Sekunde Belichtungszeit zu machen. Meistens hat man das Stativ dann doch nicht dabei, weil es vielleicht doch zu unhandlich ist.

Der Inverse Pod wird unter die Kamera in das Stativgewinde geschraubt. Von der Kamera hängt dann ein Seil in einer Schleife herunter, in welche man hineintritt. Die Kamera wird zum Fotografieren mit Belichtungszeiten von 1/30 bis 1,5 Sekunden nach oben gehoben - das Seil wird gespannt.

Auf diese Weise wird die Kamera zumindest in eine Richtung fixiert, was das verwacklugnsfreie Fotografieren zumindest erleichtert. Ein bisschen Übung ist dennoch nötig.

In dieser ausführlichen Anleitung möchte ich erklären, wie ich diese Statividee umgesetzt habe. Die Idee zu diesem Stativ wurde in dem Foto-Podcast Happy Shooting genannt.







Das Material

  • Ministativ ca. 4 Euro
  • Handytasche ca. 6 Euro
  • Seil (3mm, Kunststofffaser) ca. 50 Cent pro Meter
  • Klemmverschluss ca. 2 Euro

Hilfsmaterial

  • Gliedermaßstab Ausführung Holz (Zollstock)
  • Taschenrechner
  • Nahtauftrenner
  • Nadel und Faden
  • Bohrmaschine
  • Bohrer (3mm, Metall oder Stein)

Vorbereitung
Zuerst einmal müssen alle Materialien beschafft werden. Ich habe alles was ich brauchte im Elektronik-”Fach”-Markt und im Baumarkt gekauft.

Bei der Materialliste habe ich die Seillänge bewusst nicht genannt, da diese von der Körpergröße des Nutzers abhängig ist. Zur Berechnung der optimalen Seillänge besinnen wir uns unserer Schulzeit. Hier hilft uns nämlich Pythagoras weiter. Der hat einmal festgestellt, dass in einem rechtwinkligen Dreieck die Summe der beiden Kathetenquadrate dem Hypotenusenquadrat entspricht. Und weiter?

Gehen wir davon aus, wir stellen uns mit beiden Füßen in die Schlaufe des Seils, bildet das Seil ein Dreieck, da es ja mit der Kamera verbunden werden soll.
1. Bequem mit etwas gespreizten Beinen hinstellen
2. Strecke vom linken äußeren Fußrand bis zum rechten äußeren Fußrand messen und notieren (waren bei mir ca 100cm)

3. Abstand vom Boden bis zu den Augen messen (waren bei mir ca. 170cm)
4. Ein wenig rechnen:
2 * (Wurzel((0,5 * Fußabstand)² + (BodenAugenAbstand)²)) + Fußabstand

Wem das zu schnell ging - glaubts mir einfach und schaut nochmal ins Mathebuch.

Ich habe mich dann für 4,50 Meter Seil entschieden - passt super und die Länge ist ja variabel.

Als erstes müssen die Beine vom Stativ abgetrennt werden. Bei dem verwendeten Hama Ministativ war dies durch drehen der Beine sehr leicht möglich.
Dann werden zwei Löcher (rechts und links) auf gleicher Höhe genau gegenüber gebohrt. Durch diese Löcher kommt später das Seil. Ich empfehle, den Stativkopf mit einer Schraubzwinge auf dem Tisch zu befestigen, um die Hände zu schonen. Damit der kleine Clip nicht abbricht, wenn ich den Kopf in die Schraubzwinge spanne, habe ich Papier gefaltet und in den Schlitz geschoben.
Als nächstes wird die Handytasche etwas zerlegt. Ich habe das Innenfutter nach außen gekrempelt um besser arbeiten zu können.

Mit dem Nahtauftrenner habe ich dann die Nähte beider Stofflagen so weit aufgetrennt, dass der Stativkopf gerade so durchgeschoben werden kann. Mit Nadel und Faden habe ich dann die Löcher umnäht, damit die Naht nicht weiter aufgeht.

Innenfutter wieder zurückkrempeln.


Bevor wir den Stativkopf hindurchschieben, müssen wir allerdings erst einmal das Seil befestigen. Dazu jeweils die Enden von außen (seitlich) in die gebohrten Löcher einführen. Die Enden sollten nun von der Mitte des Stativkopfs herunterhängen.

Nun kann der Stativkopf in die Löcher der Tasche eingesetzt werden. Ich habe darauf geachtet, dass der Clip draußen bleibt. Somit wird der Stativkopf an der Tasche festgeklemmt. Mit etwas Textilkleber kann man den Taschenstoff am Stativkopf auch noch festkleben.

Das Seil befindet sich komplett in der Tasche.

An der von mir verwendeten Tasche befand sich ein Klettverschluss, welchen ich entfernt habe, da dieser immer wieder am Seil hängen blieb - oder anders herum.
Über die Seilenden habe ich den Klemmverschluss geschoben und danach in beide Enden einen Knoten gemacht. Die Schnittfläche habe ich mit einem Feuerzeug angeschmolzen, um einen sauberen Abschluss zu bekommen.

Der Klemmverschluss dient dazu, die Seillänge zu variieren.

Hier nun das fertige inverse pod.

Für Fragen und Anregungen stehe ich gerne zur Verfügung.
mailto: info@concept-club.de

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Autor: sebi
Datum: Sonntag, 10. Mai 2009 20:51
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Ein Kommentar

  1. 1

    Das ist wirklich ein ziemlich genialer Einfall! - Ich werde das mal ausprobieren!

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