Freitag, 15. April 2011 23:18
Mit diesem Bild habe ich bei der aktuellen Happyshooting Aufgabe teilgenommen. Das Thema war Kommunikation.
Was ist da passender dachte ich mir, als das 4-Ohren-Modell oder auch Vier-Seiten-Modell von Friedmann Schulz von Thun? Genau dieses habe ich dann in meinem Foto versucht umzusetzen. Robert stand mir dafür freundlicherweise als Model zur Verfügung.

Von links nach rechts sind die folgenden Aspekte des Kommunikationsmodells dargestellt: Appell-, Beziehungs-, Sach- und Selbstoffenbarungsebene. Jede übermittelte Nachricht kann anhand dieser Ebenen untersucht werden. Der Empfänger der Nachricht muss dann entscheiden, wie er sie interpretiert. So kann die gern als Beispiel genommene Aussage eines Beifahrers: “Die Ampel ist grün” unterschiedlich aufgefasst werden. Auf der Sachebene bedeutet dies nichts weiter, als dass die Ampel gerade grün ist. Auf dem Appellohr könnte der Fahrer aber verstehen “Gib gas” und beschleunigt um noch bei grün fahren zu können. Vielleicht meinte der Beifahrer aber auch nur: “Wenn ich fahren würde, würde ich jetzt schneller fahren”. Versteht der Fahrer die Nachricht auf der Beziehungsebene, so reagiert er sicherlich etwas gereizt mit den Worten “Wer bist du eigentlich, dass du dich in meinen Fahrstil einmischt”.
Damit genug zum Thema Kommunikation. Nun mal zu dem, was euch hoffentlich mehr interessiert: “Wie ist dieses Bild denn eigentlich entstanden?”. Wie ich schon bei Flickr beschrieben habe, handelt es sich bei diesem Bild um eine einzelne Aufnahme. Das Bild wurde bei Blende 16 für 67 Sekunden (ISO 100) belichtet. Robert ist nur deshalb 4 mal im Bild zu sehen, weil ich 4 mal geblitzt habe. Zwischen den einzelnen Blitzen habe ich die Kamera jedes mal ein Stück weiter gedreht (ca. 15°) bei einer Brennweite von 24mm (Kleinbildequivalent). Ich hatte ca. einen Abstand von 2 - 3 Metern zum Model.
In der Nachbearbeitung habe ich im wesentlichen den Schwarzwert im Bild angepasst, um den Hintergrund komplett dunkel zu bekommen und im Spiegel habe ich ein wenig “rumgeschmiert” um das Studio, welches sich darin gespiegelt hat ein wenig zu übertünchen. Es ist bei weitem nicht perfekt geworden, tut der Aussage des Bildes aber meines Erachtens keinen Abbruch.
Einem Flickr-User sind allerdings zwei merkwürdige Schatten im Bild aufgefallen und das ist auch genau der Grund, warum ich diesen Post schreibe. Ich möchte euch erklären, wie das Bild entstand und wie die beiden “Schatten” ganz rechts im Bild und beim “linken Robert” am rechten Arm entstanden sind.
Dazu hier mal ganz grob der Studioaufbau.

Die Schwarze Linie hinten ist ein 3×6m Hintergrund in schwarz. Die beiden schrägen Linien vor dem Model sind zwei 1,70×2m Falthintergründe, bei denen eine Seite schwarz, die Andere weiß ist. Die schwarze Seite zeigt zur Kamera. Die Idee dabei war, den Lichtaufbau abzuschirmen, damit ich überhaupt 4 Belichtungen erreichen kann. Leider haben diese “Flags” auch das Model teils verdeckt, wodurch diese “Schatten” entstanden sind.
Das Bild wurde von rechts nach links aufgenommen. Also zuerst das Spiegelbild, weil die Position des Spiegels wichtig war. Später hätten wir den Spiegel nicht ins Sed stellen können, des war war absolut dunkel im Studio. Eine mit einem Snoot abgeschirmte Taschenlampe hat mir dabei geholfen die Gradeinteilung an meinem Stativkopf abzulesen, damit ich die Kamera immer exakt weiter drehen konnte.
Aber gut, zurück zum Lichtaufbau. Die erste Belichtung war also die mit dem Spiegel. Geplant war, für diese Belichtung nur den Schirm blitzen zu lassen. Dadurch war aber Roberts linke Seite komplett schwarz und so schaltete ich die Softbox hinzu. Nach der ersten Belichtung hat Robert dann den Spiegel weg geräumt (dieser Stand leicht schräg auf einem Stuhl) und eine neue Pose eingenommen. Für die weiteren Belichtungen feuerten nur die Softbox und die Snoot. Dabei war die Softbox das Hauptlicht und die Röhre das Haarlicht, um Robert besser vom Hintergrund abzuheben. Zwischen jeder Belichtung natürlich Kamera weiter drehen und das Model eine neue Pose einnehmen lassen.
Da mein provisorisches Studio sehr klein ist, musste Robert sehr dicht am Hintergrund stehen. Die in der Skizze zu sehenden Abstandsverhältnisse passen sogar recht gut. Der Spiegel lehnte schon fast am Hintergrundstoff. Durch die beschränkten Platzverhältnisse strahlte auch noch recht viel Licht auf den Hintergrund - da konnten auch die gerichteten Lichtquellen nicht viel dran ändern. Die weiße Fläche der Falthintergründe tat dabei ihr übriges.
Achja - noch ein Wort zum verwendeten Schirm, weil ich ja von gerichtetem Licht spreche: Da ich nur eine Softbox habe, entschied ich mich den Mittenreflektor aus meinem Beautydish auszubauen und einen Durchlichtschirm vor den Beautydish zu kleben. Somit konnte ich unnötiges Streulicht auf dem Hintergrund vermeiden. Mit einer Wabe vor der Softbox hätte man den Hintergrund vielleicht auch nochmal zusätzlich abschirmen können.
So, wie immer viel geschrieben, ich hoffe aber ihr hattet Spaß beim Lesen und vielleicht schickt mir ja der ein oder andere mal ein Bild von seinen Mehrfachbelichtungen zu… Würde mich freuen.
Bis dahin - drag the shutter.